Juristische Podcasts II: Something special…

Ein Heft später als geplant setzen wir unseren Überblick über nicht ganz so bekannte juristische Podcasts fort, nun mit interessanten spezialisierten Angeboten – zu einzelnen Rechtsgebieten oder mit einem sehr speziellen Blickwinkel. Wie im Heft 148 gilt: Am Ende der Vorstellung finden sich die QR-Codes zu den jeweiligen Homepages in der Reihenfolge der Nennung; die meisten Podcasts sind aber auch über ihren Namen bei Spotify, Soundcloud oder einer der gängigen Podcast-Apps zu finden.

„Mal nach den Rechten schauen“ nennt sich ein Podcast eines jungen Autor:innenkollektivs, das nach Kontinuitäten der NS-Zeit im Recht und in der juristischen Ausbildung fragt. Sie widmen ihre Arbeit den Lücken in der Aufarbeitung des Nationalsozialismus und dem Umgang von Behörden und juristischen Fakultäten mit regimetreuen Jurist:innen. Auch Justizthemen finden ihren Platz: Die fünfte Ausgabe (Januar 2022) widmet sich der Zivilrechtsprechung der NS-Zeit mit den früheren OLG-Richter und Richter des Hessischen Staatsgerichtshofs Georg Falk im Interview. Auch hier koppeln die Autor:innen ihren Blickwinkel an das Aufzeigen von Kontinuitäten und Konsequenzen für die Jurist:innenausbildung: „Zwar hat sich die Rechtsprechung nach 1945 gewandelt und orientiert sich heute am Verfassungsverständnis des Grundgesetzes. Hindert dies aber in jedem Fall eine Vereinnahmung durch bestimmte politische Ideologien? Wie kann die Ausbildung auf diese Herausforderungen reagieren? Kann Rechtsprechung überhaupt objektiv und neutral sein?“ Die Podcasts werden flankiert durch „Shownotes“, also Literaturübersichten zur Vertiefung des Themas.

„Familiensachen“ – unter diesem Titel widmet sich der FamRZ-Podcast Entwicklungen, aber auch klassischen Konstellationen oder Rechtsfragen des Familienrechts. Über twitter bin ich – eher fern dieser Themen – auf eine spannende Folge zur Istanbul-Konvention (3/2021) gestoßen. Die aktuelle Folge 8/2022 widmet sich den Rechtssetzungsproblemen auf dem Weg zur „Verantwortungsgemeinschaft“ im Ampel-Koalitionsvertrag.

„Das Letzte Wort“ ist ein bei Spotify sehr beliebter Podcast der Trierer Strafrechtsprofessoren Mohamad El-Ghazi und Till Zimmermann. Sie lehren an der Universität Trier und leben ihren Tagen in Trier auch noch in einer gemeinsamen WG: „Wo immer sie zusammentreffen – im Büro oder in der WG-Küche – wird intensiv diskutiert: Meistens kenntnisreich und immer mit Leidenschaft; über Raserei und Tötungsvorsatz, Diebstahl und Raub, Irrtümer, Sexualstrafrecht, Humor im Recht, Genie & Wahnsinn unter Jura-Professoren, Terrorismus, Corona als Mordinstrument und vieles mehr“, so die Selbstbeschreibung. Oft geht es auch um aktuelle Rechtspolitik wie die Reform des Wiederaufnahmerechts; die zum Redaktionsschluss aktuellste Ausgabe widmete sich dem Völkerstrafrecht anlässlich des Ukrainekrieges.

Die Digitalisierung der Justiz ist im Netz allgegenwärtig – kaum ein Angebot ist aber für Richterinnen und Richter unmittelbar interessant, die sich nicht für unternehmerische Start-Up-Probleme, Rechtsanwaltsmärkte oder Software-Details interessieren. Relativ jugendlich unverdorben, wenngleich mit dem typischen Blick für das Business, kommt immerhin noch der Podcast „Talking Legal Tech“ des Legal Tech Lab Cologne e.V. daher. In dem Verein sind wohl nicht nur ausschließlich Jurist:innen (bzw. Jurastudierende, Doktorand:innen und Jungrechtsanwält:innen) unterwegs.

Frank Schreiber

Die Links in der Reihenfolge der Nennung:

https://www.malnachdenrechtenschauen.de/podcast/5-zivilunrecht-zivilrechtsprechung-in-der-ns-zeit-ein-interview-mit-georg-falk/

https://www.famrz.de/famrz-podcast-folge-8-von-der-ehe-bis-zur-verantwortungsgemeinschaft.html

https://das-letzte-wort.buzzsprout.com/

https://anchor.fm/legaltech